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5.6.07 12:50, kommentieren

Erwachen-teil1

Stellen Sie sich vor sie wachen eines Morgens auf, sind tot und stellen fest, dass es Gott gibt. Was würden Sie wohl denken? Viele von uns würden sich sicherlich ärgern ihr ganzes Leben lang den Falschen Baum angebellt zu haben, manche würden zufrieden feststellen dass sich all die 5-cent-Stücke, welche sie der Kollekte am Sonntag in der Kirche gespendet haben doch gelohnt haben und manche würden wahrscheinlich einfach total hysterisch anfangen zu lachen, sich an den kopf fassen und sich denken: „ Scheisse!“ Ähnlich wie letzteren muss es auch Robert F. aus W. an der O. gegangen sein, als er eines Morgens in seinem Bett erwachte und tot war( inwieweit man den Tod hierbei in Bezug zum Wort „erwachen“ stellen kann bleibe einfach mal dahingestellt, denn hier geht es um weitaus paradoxeres). Zuerst einmal war er verwirrt, hatte er sich seinen Abschied von dieser kranken Welt doch wesentlich anders vorgestellt. Irgendwie...dramatischer, spannender, einfach...bedeutsamer. Doch Robert F. erwachte morgens in seinem Bett und war tot. Warum, das wusste er auch nicht. Eigentlich wusste er fast überhaupt nichts. Nur, dass er Robert F. aus W. an der O. war und verdammt noch mal in seinem bett lag und tot war, was ihn ziemlich verärgerte. Immerhin war er erst 25. Nichtraucher, Tierfreund und Sozialdemokrat. Wenn es Gott also gibt, warum dann gerade der junge Robert F. aus W. an der O.?

Robert F. konnte sich darauf keinen Reim machen. Also tat er das, was er in dieser verzwickten Situation für das einzig Sinnvolle hielt: er begann zu lachen. Zuerst war es ein leichtes, ironisches lachen, dieses typische „Mein Gott du Arschloch, war das aber nicht komisch “- Lachen ,was man lacht wenn man einem schlechten Witz seine Abneigung demonstrieren wollte ohne ihm gegenüber wirklich gemein zu werden, da er mit seiner unlustigen Existenz schon mehr als genug bestraft war. Dieses lachen steigerte sich schnell in eine Form von herzhaft lautem Gelächter, ein Gelächter das man vielleicht schon mal vernommen hat wenn man samstagabends ohne seine Familie über den Weihnachtsmarkt geschlendert ist und es einen in eins dieser Glühweinzelte verschlagen hat. Doch Robert F. aus W. dachte gerade herzlich wenig an Glühweinzelte und sein Lachen wurde schnell unerträglich laut, unrhythmisch und hysterisch. Verrückt. Ja, verrückt ist wohl der treffendste Ausdruck für das Lachen des Robert F. Da er sich seiner ungünstigen Situation bewusst war, jedoch überhaupt nicht wusste wie damit umzugehen lachte er einfach weiter. Er probierte jede ihm bekannte Variante des Lachens aus die er jemals aufgeschnappt hatte, vom lachen des kleinen Kindes bis zum Lachen der japanischen Touristen, die mit ihren Fotoapparaten immer die Großstädte unsicher machten. Er lachte schnell, langsam, laut, leise, gackerte wie ein Huhn und zirpte kichernd wie eine durchgeknallte Grille auf LSD. Wie lange Robert F. eigentlich genau lachte ist unklar. Doch es musste schon eine gute Weile gewesen sein, denn als Robert F. aufhörte meinte er bereits Bartstoppeln an seinem sonst babypopoweichen Kinn zu spüren. Er hörte also auf, fasste sich an den Kopf und sagte zu sich: „Scheisse!“

Und nach einer kurzen Gedankenpause ließ Robert F. alles aus sich heraus, was sich seit seinem noch jungen Tod an Emotionen angesammelt hatte: „ Scheisse, Scheisse, Scheisse verdammt noch mal, Gottverdammte Scheisse!“ Er hielt inne und holte tief Luft. „Scheisse!“

 

Um sich diesen plötzlichen und tiefgründigen Gefühlsausbruch erklären zu können muss man sich in die Situation des Robert F. versetzen: Robert F. war nie gerade das,was man einen religiösen Menschen nennt: er ging nicht in die Kirche, besaß keine Bibel und konnte wahrscheinlich nicht einmal das Vaterunser richtig aufsagen. Doch das alles war Robert relativ egal. Er war kein schlechter Mensch, nur weil er nicht an Gott glaubte. Er hatte sich mit seinen 25 Jahren schon gegen Atomkraft eingesetzt, gegen Tierversuche protestiert und Freundschaft  mit einem Mann geschlossen der sich nach sehr kurzer Zeit als Frau entpuppte. Gott war Robert relativ egal. Nicht, dass er seine Existenz leugnete oder die „Lassen sie uns über Gott und die Welt sprechen“- Klingelleute welche an seiner Tür klingelten mit „Gott ist tot“ abwimmelte, das war nicht sein Stil. Robert akzeptierte den Glauben anderer, wollte nur selber nichts damit zu tun haben. Er stand mit beiden Beinen auf dem Boden, glaubte daran, dass nur er und niemand sonst sein leben und seinen weg durch seine eigenen Taten und Handlungen bestimmen könne. Doch jetzt lag er hier in seinem Bett und war tot. Herausgerissen aus der Blütezeit seines Lebens. Eines Lebens, in dem er stets geglaubt hatte die Kontrolle zu besitzen und sein eigener Herr zu sein.

Noch immer musste Robert leise kichern: es war einfach zu lustig, da glaubt man 25 Jahre, dass man möglichst viel erreichen muss um nach seinem Tode nicht in Vergessenheit zu geraten wenn einen das tiefe Schwarz umgibt, und auf einmal ist man tot und Gott gibt es wirklich. Eine ärgerliche Sache. Die Chancen standen 50 zu 50, und du hast den kürzeren gezogen. Ende im Gelände, aus die Maus, Schluss im Bus.

Gott hatte die ganze Zeit über geschwiegen, saß an seiner Bettkante und hatte sich eine Zigarette angezündet. Robert F. spürte brodelnde Wut in sich aufschäumen. Sein ganzes Leben war soeben den berühmten Bach runtergegangen, und Gott saß seelenruhig an seinem Bett und rauchte. John Player Special, 3 Euro 50 die gottverdammte Schachtel.

„Auch eine?“ fragte nun Gott. „Nein danke, ich bin Nichtraucher“. „Angst vor Lungenkrebs?“. „Unter anderem“. Ein Moment der Stille. „Du bist tot“ „Na gut, ich nehm eine“.

 

5.6.07 12:53, kommentieren

Ich bin Ware

Ich bin Ware

Regungslos und stumm liege ich hinter Glas

Abrufbereit zu ertragen, was auch immer du mit mir tun wirst

Ich werde nicht schreien, werde mich nicht wehren

Ich bin nichts als Ware

Gegen ein bisschen Kleingeld kannst du mich aus dem Automaten ziehen

Und mich benutzen, wann und wie du willst

Ich bin immer da

Du zahlst, also kannst du mich haben

Wenn du mit mir fertig bist legst du mich zurück

Dort warte ich regungslos und stumm, bis ich wieder gebraucht werde

Ich werde nicht schreien, werde mich nicht wehren

Gegen ein bisschen Kleingeld kannst du mich aus dem Automaten ziehen

Und benutzen

Ich bin immer da

 

 

1 Kommentar 5.6.07 13:38, kommentieren